
Der „Alte“ neue WOLF(F) Gebrüder Wolff Cello BJ-1878
Über fast drei Jahre dauerte der Entscheidungsprozess, sich für ein neues – und gerade dieses – Cello zu entscheiden. Mir sagte einmal ein Musiker: „Instrumente kommen und gehen“ – ja, vielleicht. Für mich jedoch war diese Aussage befremdlich. Ein Instrument wächst über die Spielzeit mit einem zusammen. Man lernt es kennen und wertzuschätzen – die guten ebenso wie die kleinen, störrischen Eigenheiten anzunehmen.

Ein weiteres Instrument anzuschaffen, ist immer mit der Frage verbunden: Was passiert mit dem Vorgänger? Bleibt es bei mir, verkaufe ich es – oder schaffe ich es emotional überhaupt, mir darüber Gedanken zu machen? Ist es nur noch Ersatz oder …?
Bei der Gegenüberstellung des WOLFF alias Wolf mit dem Paessold alias kleiner Bär ging es um die Befriedigung der Sehnsucht nach mehr „Klangraum“ und „Klangcharakter“ sowie letztlich um den Wunsch nach einem gebrauchten Instrument. Hinzu kamen unerwarteterweise geschichtliche Aspekte zur Herkunft des Cellos, die die Entscheidung für mich zusätzlich spannend machten.
So hatte ich das Wolff-Cello nun bereits zum dritten Mal ausgeliehen und konnte es ins Herz schließen, nachdem ich in den letzten Jahren immer wieder den Freiraum im Urlaub genutzt hatte, um bei Geigenbauern vor Ort Celli zu testen.
Ich spiele es im Setting: Wittner Wirbel Mechaniken, Bender Klang Stachel, französischer Steg, A & D Saite Piratro Perpetual als Solist Version mit weniger Spannung und eine Thomastik G sowie C Saite. Dazu einen Ebenholz Saitenhalter mit Hill Kante ohne Feinstimmer.
Zur Geschichte
Die jüdischen Gebrüder Leopold und Ferdinand Wolff waren in Bad Kreuznach ansässig, früher unter Preußen als Creuznach bezeichnet. Zwischen 1865 und den frühen 1930er-Jahren wurden dort im großen Stil Instrumente vertrieben (Pianos, Flügel, Geigen, Celli, Zithern …), aber auch ausgewählte Instrumente selbst gebaut.
In der eigenen Geigenbauwerkstatt entstanden beispielsweise Violinen, die als regelrechte Exportschlager mit speziellen Wolff Brothers London-Zetteln nach England gelangten. Es handelte sich dabei um eine kleine Werkstatt – Massenware wurde nicht produziert.
Celli hingegen wurden nach genauen Vorgaben der Gebrüder Wolff als Rohinstrumente geliefert (aus Mittenwald und Markneukirchen) und in Creuznach (Kurhausstraße 13) lackiert, klanglich optimiert und vollständig eingerichtet.
Dieses Wolff-Cello trägt auf dem Bassbalken eine handschriftliche Bleistiftaufschrift: 1887 Mittenwald. Ob tatsächlich nur der Bassbalken aus Mittenwald stammt, bleibt offen. Die Bauart des Cellos würde man heute eher als „sächsisch“ interpretieren. Fest steht jedoch: Es handelt sich um Klangholz, das im Jahr 2027 seinen 150. Geburtstag feiern wird.
Da gutes Klangholz vor dem Bau oft 30–40 Jahre gelagert wird, kann man erahnen, welche Demut man entwickeln muss, um darauf spielen zu dürfen. Dieses Instrument wird mich überleben. Und es wird auch mein Spiel überleben. *lol* I
Leider finden sich im Internet nur noch wenige Informationen über die Gebrüder Wolff – einst das größte Musikgeschäft Deutschlands – über ihren Handel (inklusive Notenverlag) sowie über ihre handwerkliche Kunst im Geigenbau.
Der Sachverhalt ist klar: Auch hier ging es um die gezielte Vernichtung jüdischer Geschichte im Nationalsozialismus sowie um die Zerstörung und Auslöschung von Leben, Quellen und Nachweisen.
Keine Angst vor dem WOLF(F)


Die „große Liebe“ Paesold 604 BJ-1977 „Kleiner Bär“
Das Cello ist genau zehn Jahre jünger als ich 🙂 Es stand schon in meinem Zimmer, als ich noch auf einem Dreiviertel-Cello lernte. Ausgestattet war es damals mit den klassischen Saiten mittlerer Stärke von Jargar. Zudem hatte es einen belgischen Steg und einen schweren, dunklen Cellokasten.
Eines Tages war es dann so weit: Das dreiviertelgroße Sperrholz-Cello aus der damaligen Tschechoslowakei kaufte schließlich eine Schule ab. Ich lernte fortan auf dem großen Cello weiter und taufte es auf den Namen „Kleiner Bär“.
Ein Streichinstrument kann sich klanglich über viele Jahre verändern – im besten Fall wird es mit der Zeit immer besser. Gleichzeitig verändert man selbst seine Klangvorstellung und die Erwartungen an das Instrument. Es soll schön erklingen, eine leichte und direkte Ansprache haben, von der C-Saite bis zur A-Saite ausgewogen klingen, und auch der sogenannte Cello-Wolfton muss in den Griff zu bekommen sein.
Heute spiele ich die A D und G Saite von Thomastik, Version Rondo. Die C Saite ist eine weiche Thomastik Spicore. Zudem erhielt das Cello Wittner-Wirbelmechaniken, um das Stimmen komfortabler zu gestalten. Im Jahr 2023 ließ ich mir außerdem einen Bender-Carbon-Klangstachel einbauen, wodurch das Cello wärmere Klangfarben bekam.
Mit der Zeit stellte ich fest, dass dieses Cello in seiner natürlichen Dynamik sehr durchsetzungsstark ist. Kammermusik und Quartettspiel erfordern daher besondere Aufmerksamkeit, um nicht zu schnell zu dominant zu spielen. Aus diesem Grund wagte ich das Experiment, einen französischen Steg auszuprobieren – mit Erfolg. Das kleine Rennpferd, ebenso wie der Cellist, konnte gezügelt werden. Die solistische Charakteristik wurde balanciert, das Cello gewann an Klangcharakter, mit schöneren Tiefen und interessanteren Obertonreihen.
Mein erstes E-Cello: Yamaha Baureihe SVC-200
Mit dem Yamaha SVC 200 sammelte ich erste Erfahrungen auf einem elektrischen cello.
Mit dem Yamaha Cello sammelte ich erste E-cello Erfahrung:
Mit der unter Cellisten bezeichneten Gottesanbeterin entstanden auch die ersten E-Cello Stücke.
Das Yamaha SVC-200 hat eine hohe Verarbeitungsqualität.
Das Design und die darin enthaltene Ergonomie sind genial.
Die Mensur dieses E-Cello ist dem herkömmlichen Cello sehr nah.
Vor allen Dingen besitzt es einen herkömmlichen Sattel und ermöglicht
einen normalen Lagenwechsel in die vierte Lage.
Integriert sind ein Kopfhöreranschluss mit Regler,
ein Line Out / Line in für CD oder MP3 und ein aktiv Verstärker mit drei Relay Stufen.
Eine neue Version des SVC-200 ist das SVC-210, bei dem der Bereich unterhalb des Stegs
mit einer Hohlkammer ausgestattet ist. Durch diese Kammer bildet sich ein kleine zusätzliche
Resonanzammer, die den Ton optimiert.
Das SVC-200/210 hat noch Geschwister: Das SV-50 welches in der Bauform und den Mechaniken reduziert
ist, insgsamt „leichter“ daherkommt, aber klanglich voll überzeugt. Zudem gibt es noch das SV-100/110,
welches mit einem Kunsstoffrahmen versehen ist.


Mein derzeitiges E-cello : Ned Steinberger CR4 cello
Das NS-Design Cello löst sich von allen Celli/E-Celli Vorstellungen, die man bisher kannte.
Es ist leicht, kompakt und lässt sich mit einem Stachelsystem, einem Boomerang Gurt, oder einen Strap System verschiedenfach montieren.
Dadurch kann man es spielen zwischen den Knien, umhängen als Gitarre, oder umhängen als Cello zum Spielen im Stehen.
Im Vergleich zu anderen Celli und E-Celli erfordern die Lagenwechsel viel Übung, da kein Sattel vorhanden ist.
Mittlerweile kann man aber einen Cello Thumb Stop kaufen. Er ist aus Holz, lackiert und kamm mit einem fertigen 3M Klebepad
positioniert werden. Damit hat man wieder einen Anschlag beim Lagenwechsel in den Sattel und damit eine erleichterte Intonation.
Das Bogenstreichen mit dem 4,5 oder 6 Saiters bedarf wenig Kraft zur Tonbildung.
Vibrato und Bogennuancierungen sprechen leicht und für ein E-Cello besonders vielfältig an.
Ich spiele das Cello mit den Original Saiten von Ned Steinberger, welche von Daddario hergestellt werden. (medium)
Als A-Saite bevorzuge ich auch gerne mal eine JARGA-Seite Tension medium (hellblaue Wicklung).
Sehr bemerkenswert: außer Volumenregler, Höhen- und Bassregelung gibt es ein spezielle NS Erfindung:
das Umstellen des Tonabnehmers mittels Schalter für Arco/Pizz in Cello klassik Ton, für Arco/Pizz (Polar Pick Up System)
in modulierter elektrischer Nuance und dem speziellen Einstellung für Piz: das Feeling wie bei einer Gitarre mit längerem Sustain.
Alle Schalterstellungen wiederum können auf der Rückseite des Cello mit Trimm-Potentiometern ausgelotet werden.
Dadurch, dass der spezielle Pizz Mode die Schwingungen der Seite in vertikaler Richtung am Steg abnimmt,
können die entstehenden Signale mit elektronik und Effektgeräten (Distortion, Octaver, Fuzz,…und so weiter)
besser moduliert werden als man von normalen E-Celli erwarten kann.
Aber das Polar pick up System hat auch Nachteile: ein schneller Wechsel zwischen Arco und Pizz beim Spielen wird durch das jeweilige Umschalten des Schalters nicht möglich


